Einblick ins Camp

Was soll ich sagen? Mir geht es hier wirklich super! Heute möchte ich euch ein bisschen mehr über das Camp erzählen, wer hier eigentlich lebt und wie mein Alltag aussieht.
Ich wohne direkt auf dem Camp-Gelände. Allerdings müsst ihr wissen..Die Fläche ist riesig! Mein Haus liegt etwa 30 Minuten zu Fuß bzw. 7 Minuten mit dem Auto vom Camp entfernt. Ich finde es ehrlich gesagt super angenehm, nicht direkt mittendrin zu wohnen. Ich lebe in einer Vierer-WG, aktuell sind wir zu dritt:

  • Kiki (21): Kommt aus Neuseeland, arbeitet seit 7 Monaten mit mir im OE-Team und hat am meisten Erfahrung.
  • Madi (28): Arbeitet seit 5 Wochen im Büro.
  • Und ich: Bin jetzt in meiner 6. Woche und ebenfalls im OE-Team.                               Nur drei Minuten weiter steht das andere Mädels-Haus. Dort wohnen
  • Johanna (18), meine deutsche Mit-Freiwillige aus dem OE-Team und
  • Bernice (19) aus Südafrika, die seit vier Monaten in der Küche arbeitet.                       

Ich liebe meine Mädels hier! Wir verstehen uns fantastisch, machen Mädelsabende, gehen gemeinsam einkaufen und haben einfach eine tolle Zeit zusammen. Dann gibt es noch das Jungs-Haus mit Platz für vier Personen. Aktuell wohnen dort zwei Jungs:

  • Loic (28) aus Frankreich, der seit 6 Monaten in der Küche arbeitet, und
  • Luke (20) aus Neuseeland, der im Workshop-Team (Gartenarbeit etc.) aktiv ist.

Ebenfalls auf dem Gelände wohnen mein Haupt-Chef Steve mit seiner Familie, Peter (der Küchenchef), Uncle Tom (schon etwas älter, aber er hilft bei Kleinigkeiten) und Phil, der Chef unseres OE-Teams, zusammen mit seiner Familie. Die anderen Teammitglieder wohnen in Rotorua: Madi und Alana (Büro), Don und Mike (Workshop) sowie Pam und Kitti (Reinigung).

Was ist das OE-Team und was machen wir?

Unser Outdoor-Education-Team (OE) ist vor allem für die Betreuung der Gruppen zuständig. Wir führen alle Aktivitäten mit den Kids durch. Normalerweise haben wir 2 bis 4 Sessions am Tag, eine Session dauert 90 Minuten (4 Sessions bedeuten allerdings einen verdammt langen und anstrengenden Tag!).
Zusätzlich stellt unser Team immer den sogenannten „Host“. Als Host ist man bei allen Mahlzeiten dabei, beantwortet Fragen, hilft in der Küche und sorgt für Ordnung. Auch nachts müssen wir für Notfälle erreichbar sein. 
Wenn mal keine Gruppen im Camp sind, gibt es trotzdem viel zu tun: Setups für die nächste Gruppe vorbereiten, aufräumen, putzen und planen. Außerdem unterstützen wir als OE Team die anderen Teams, sei es beim Abwasch in der Küche oder beim Holz hacken im Workshop. 
Wir sind zu fünft im OE-Team: Phil (unser Chef), Kiki (unsere Erfahrene) sowie Isaac (19, aus NZ), Johanna und ich, die wir gerade alle noch angelernt werden.

Welche Attraktionen haben wir hier?

     

  • Giant Swing: Die Kids steigen in einen Gurt/Sack, werden hochgezogen und schwingen durch die Luft.
  • Flying Fox: Eine 200 Meter lange Seilbahn.
  • Archery Attack: Pfeil und Bogen mit abgepolsterten Pfeilen. In der Mitte stehen aufblasbare Hindernisse, hinter denen sich die Kids verstecken und gegenseitig abschießen können.
  • Rock Climbing: Klettern an der Kletterwand.
  • High Ropes: Unser Hochseilgarten – wird gerade noch aufgebaut, ist aber bald fertig.
  • Air Rifles: Die Kids schießen mit harmlosen Luftgewehren auf Zielscheiben aus Papier.
  • Paintball: Das klassische Spiel mit Walt, Hinternissen und Farbkugeln.

Wie läuft das mit den Gruppen ab?

Meistens bleiben die Gruppen 3 bis 5 Tage bei uns. Camps sind in Neuseeland eine riesige Sache! Die meisten Kinder, mit denen ich bisher gearbeitet habe, waren 10 bis 11 Jahre alt. Es gab aber auch schon jüngere und ältere Gruppen.
Die Kids kommen meist mit 2 bis 4 Lehrkräften und etwa 10 Begleiteltern (Durchschnitt). 
Das Essen bekommen sie meistens aus unserer Küche, manchmal versorgen sie sich auch selbst. 
Ein typischer Tag ist in vier Blöcke unterteilt:

  1. 09:00 – 10:30 Uhr: Session 1
  2. 10:45 – 12:15 Uhr: Session 2 (danach Mittagspause)
  3. 13:30 – 15:00 Uhr: Session 3
  4. 15:15 – 16:45 Uhr: Session 4

Hinzu kommen noch Auf- und Abbau, Spüldienst oder die Verpflegung der Gruppen. Im Sommer wird dieser lange Tagesablauf wohl zum Dauerzustand, ab Januar kommen dann sogar Camps, die 10 Tage bleiben! 
Diese Woche startet allerdings das Teens Camp und direkt danach das Kids Camp. Hier kommen die Kinder ohne Lehrer und werden von internen Leitern betreut. Diese Camps finden dreimal im Jahr statt und sind etwas ganz Besonderes, weil wir eine viel tiefere Verbindung zu den Kids aufbauen können. Wir unternehmen viel mehr mit ihnen und machen nicht nur starr die Aktivitäten. Mehr dazu erzähle ich euch aber im nächsten Blogbeitrag, wenn ich es selbst miterlebt habe!

Wie gefällt es mir bisher?

Ich muss ehrlich sagen: Die Umstellung von der Schule auf einen ganztägigen Arbeitstag.. viel draußen und pausenlos in Bewegung, ist manchmal echt anstrengend. Natürlich gibt es Aufgaben, die ich gar nicht mag (zum Beispiel den ganzen Tag Betten und Matratzen schleppen, das war furchtbar!). Oder Sessions, die extrem schlauchen, weil es schon die vierte am Tag ist oder die Kids anstrengend sind. Aber es macht trotzdem auch Spaß!Das liegt vor allem an den Menschen. Wir sind ein großartiges OE-Team, matchen perfekt, halten zusammen und helfen uns gegenseitig. Auch die Mädels in meiner WG machen das Leben hier so viel leichter. 
Vor allem die ersten zwei Wochen waren extrem gewöhnungsbedürftig. Der Supermarkt ist nur mit dem Auto erreichbar, Spazierengehen geht nur auf dem Camp-Gelände.. als absolutes Stadtkind war das erstmal eine riesige Umstellung! Aber ich habe gelesen, dass der Mensch etwa 66 Tage braucht, um sich an eine neue Situation zu gewöhnen. Und siehe da, Viele Dinge stören mich heute schon gar nicht mehr so wie am Anfang. 
Einen riesigen Einfluss hat auch das Wetter. Die Leute lügen nicht, wenn sie sagen, dass Neuseeland alle vier Jahreszeiten an einem einzigen Tag hat und man der Wetter-App nicht vertrauen kann..das stimmt zu 100 %!
Ansonsten merke ich, wie ich bei der Flying Fox (unserer Seilbahn-Session) von Mal zu Mal selbstbewusster werde. Das ist die Session, in der ich gerade intensiv eingearbeitet werde, damit ich sie bald ganz alleine leiten kann. Letzte Woche habe ich es schon geschafft, die komplette Session eigenständig durchzuführen, während Kiki nur zugeschaut hat. Klar geht es noch besser, aber ich war extrem stolz.
Unser normaler Arbeitstag geht von Montag bis Freitag von 8:00 bis 17:00 Uhr. Das variiert jedoch stark: Wenn Gruppen da sind, arbeite ich oft von 7:30/8:00 bis 17:30/19:00 Uhr. Solche 9- bis 11-Stunden-Tage, an denen man dauerhaft fokussiert sein muss, sind echt anstrengend. Dafür gibt es dann an anderen Tagen etwas mehr Freizeit oder mal einen freien Tag unter der Woche, wenn ich am Wochenende ranmuss. Bisher hat sich das ganz gut ausgeglichen, aber ein paar mehr helfende Hände könnten wir hier definitiv gebrauchen. 
An den Wochenenden bleibt zum Glück meistens Zeit für Tagestrips. Es ist unglaublich, was für wunderschöne Orte es hier in der Nähe gibt. Landschaften, die man mit eigenen Augen gesehen haben muss! Allerdings ist Neuseeland unfassbar teuer. Ich war zwar darauf vorbereitet, dass Kosmetik wie Shampoo teuer sind, dachte aber, dass Lebensmittel ähnlich wie in Deutschland kosten würden. Falsch gedacht..Es ist spürbar teurer und es gibt kaum günstige Eigenmarken. Zum Glück bekommen wir Grundnahrungsmittel wie Reis, Nudeln, Milch, Bananen und Haferflocken gestellt und dürfen Reste aus der Camp-Küche mitessen. Trotzdem muss man noch einkaufen und das schmerzt jede Woche aufs Neue.

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